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Der Sicherheitspolitiker und der Reservist sehen sich heute zunehmend in der Rolle des Mittlers für Sicherheitspolitik und Bundeswehr in der Gesellschaft. Um diesen Auftrag ausführen zu können, muss der Mittler seinen Gegenüber überzeugen, und auch kritischer Hinterfragung souverän begegnen können. Zu diesem Zweck veranstalteten die Studierenden Reservisten Hannover am 24. und 25. April 2010 ein Rhetorik- und Kommunikationstraining in der Schule für Feldjäger und Stabsdienst der Bundeswehr.
Die Mitglieder der Hochschulgruppe Hannover, die der Einladung in die Emmich-Cambrai-Kaserne Hannover gefolgt waren, konnten jeweils auf unterschiedliche Vorbildung zurückblicken. So war es zum Einstieg das Ziel des Dozenten, Dr. Gottfried Linn von der Akademie für Information und Kommunikation der Bundeswehr, alle Teilnehmer gleichermaßen anzusprechen. Die Vorstellungsrunde als Einstieg wurde sofort, wie auch alle anderen praktischen Übungen an diesem Wochenende, mittels Kameratechnik aufgezeichnet, und im Anschluss im Hinblick auf die non-verbale Kommunikation jedes Einzelnen analysiert. Um die hier gelernten Aspekte umgehend in die Tat umsetzen zu können, wurde jeder Teilnehmer mit der Ausarbeitung eines kurzen Statements von zwei bis drei Minuten zu einem selbst gewählten Thema beauftragt. Die Themenpalette reichte hierbei von der Beschäftigung mit der Embryonenforschung, über die Notwendigkeit von Gewerkschaften bis zum Plädoyer für die Beibehaltung der Wehrpflicht.
Als Einstieg in den Themenkomplex der kontroversen Diskussion wurde anschließend einzelnen Teilnehmern die Möglichkeit geboten, sich kritischen Fragen aus dem Publikum zu stellen. Zur Vertiefung wurden dann unterschiedliche Rollen unter den Anwesenden verteilt, die eine Podiumsdiskussion zur Thematik der inneren Sicherheit durchführen sollten. Nach ausreichender Vorbereitungszeit fanden sich die Teilnehmer in der, für die meisten ungewohnten, Rolle des Diskutanten auf dem Podium wieder. Hier mussten sie sich kritischer Fragen sowohl ihrer Mitdiskutanten als auch des (fiktiven) Publikums stellen. Es zeigte sich, dass es gelegentlich einiger Tricks und Techniken bedurfte, um das Publikum, die eigentliche Zielgruppe einer Podiumsdiskussion, auf seine Seite zu bringen. In der anschließenden Auswertung konnte Dr. Linn noch viele hilfreiche Tipps und Hinweise geben, um sich auch aus schwierigen Situationen einer Podiumsdiskussion zu befreien.
Zum Abschluss zeigten sich alle Teilnehmer begeistert von diesem Training und waren einig, dass es regelmäßiger Praxis zur Festigung des Gelernten bedarf. Auf jeden Fall waren am Ende alle Teilnehmer noch besser als zuvor gerüstet, ihrer Mittlerrolle gerecht zu werden!


Am 3. April.2009 fanden sich unter der Leitung des Vorsitzenden Leutnant d.R. Marco Langerwisch etwa 45 Personen in der OHG Hannover-Bothfeld ein, um gemeinsam das 20-jährige Bestehen der Kameradschaft Studierender Reservisten Hannover zu begehen. Die geladenen Gäste nutzten die akademische Viertelstunde, um sich am wärmsten Tag der Woche vor Beginn der Begrüßungsrede mit einem Glas Sekt zu stärken.

Den Abend eröffnete der RK-Vorsitzende Marco Langerwisch mit der Begrüßung der Gäste, darunter Oberstleutnant Ottmar Strehler, Beauftragter für zivil-militärische Zusammenarbeit im Landeskommando Niedersachsen. In seiner Rede erläuterte er, dass die Kameradschaft Studierender Reservisten ein Selbstverständnis pflege, nach dem es neben militärischer und sicherheitspolitischer Weiterbildung auch auf gegenseitige Unterstützung in Studien- und privaten Angelegenheiten im Kreise der Mitglieder ankomme. Gemäß eines Zitates seines Bundesgeschäftsführers, Oberst a.D. Dierk Joachim Fell, benötige der Reservistenverband „Leuchttürme“ im Sinne von Leistungsträgern für den Verband, die es in den Kameradschaften zu entwickeln gelte. Auf dieser Grundlage werde die Kameradschaft Studierender Reservisten ihr zukünftiges Tätigkeitsfeld auf eine effektivere Nachwuchsgewinnung fokussieren.

Im Anschluß an die einführenden Worte überbrachte Obergefreiter (ROA) d. R. Ludwig Eickemeyer, Vorsitzender des Bundesverbandes Sicherheitspolitik an Hochschulen, Glückwünsche zum Jubiläum. Er wies in seinem Redebeitrag darauf hin, dass die Kameradschaft Studierender Reservisten Hannover eines der ältesten Mitglieder des Bundesverbandes Sicherheitspolitik an Hochschulen sei. Als Themenschwerpunkte seines Verbandes für das Jahr 2009 gab er den Bereich Wehrpflicht und Wehrgerechtigkeit an. Hierbei komme es zentral auf die Beantwortung der Frage an, was ein demokratischer Staat im Jahr 2009 von seinen Bürgern verlangen könne. Herr Eickemeyer erörterte abschließend die Frage der zukünftigen Bedeutung sicherheitspolitischer Arbeit insbesondere unter Berücksichtigung ökonomischer Gesichtspunkte in Zeiten globaler Rezession und bedankte sich für die gute Zusammenarbeit mit den Dienststellen der Bundeswehr.

Es folgten Grußworte des Landesvorsitzenden des Verbandes der Reservisten der Deutschen Bundeswehr in Niedersachsen, Oberstleutnant d.R. Manfred Schreiber. Er begann mit einer Danksagung an das Landeskommando Niedersachsen für die gute Unterstützung in der Vergangenheit. Manfred Schreiber skizzierte die anfänglichen Berührungspunkte mit der Kameradschaft Studierender Reservisten Hannover. Diese waren vor allem gekennzeichnet durch die gemeinsamen Anstrengungen zur Überwindung des Widerstandes gegen Bundeswehr und Reservistenverband, sowie jeder Art von sicherheitspolitischem Gedankengut an den Hochschulen. Besonders hervor hob Manfred Schreiber das Reformationsbedürfnis innerhalb des Reservistenverbandes. In Zeiten stetiger Einsatzbelastung der aktiven Truppe bestehe ein Bedarf an motivierten und qualifizierten Reservisten. Darauf müssten zukünftige Tätigkeiten innerhalb der beorderungsunabhängigen freiwilligen Reservistenarbeit eingestellt werden. Aus diesem Grunde müssten auch flexible Lösungsansätze innerhalb des Verbandes und in der Kooperation mit der aktiven Truppe gesucht werden. Diesen Ansatz beschrieb Herr Schreiber mit „wir gehen einen Weg, auf dem aufgehört wurde, darüber nachzudenken, was nicht geht“. Aus diesem neuen Anforderungsprofil werde die Verpflichtung abgeleitet, sich innerhalb der Kameradschaften um jedes einzelne Mitglied zu kümmern, um die Ressourcen jedes einzelnen für den Verband und die Bundeswehr nutzbar zu machen. Er forderte insgesamt mehr staatsbürgerliches Engagement und widersprach der Kritik aus der Bundespolitik am Sinn der Reservistenarbeit insgesamt, der sich vor allem durch Anträge der FDP auf Kürzung der Verbandsmittel und Abschaffung der Wehrpflicht äußerte. Im Anschluss an seine Rede überreichte Manfred Schreiber dem RK-Vorsitzenden Marco Langerwisch ein Präsent des Verbandes und ehrte die Kameraden Major d. R. Andreas Mark, Hauptmann d. R. Dirk Darimont und Oberleutnant d. R. Lasko Werner mit der bronzenen Ehrennadel des Reservistenverbandes für ihre Verdienste um die freiwillige Reservistenarbeit.

Anschließend skizzierte der kurz vorher geehrte Major d. R. Andreas Mark die Geschichte der Kameradschaft Studierender Reservisten Hannover. So habe in der Anfangszeit vor allem die militärische Fortbildung im Vordergrund gestanden. Als herausragendes Beispiel nannte Andreas Mark den 1. Platz beim Vielseitigkeitswettkampf des Wehrbereiches 2, den die Kameradschaft „StudRes“ 1995 erlangen konnte. Ebenso erwähnenswert sei die nunmehr seit 14 Jahren  bestehende aktive Unterstützung des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge durch Sammlungen auf dem Opernplatz in Hannover am Volkstrauertag, sowie die regelmäßige Unterstützung bei der Ausbildung aktiver Truppenteile.

Den würdigen Abschluß des Abends bildete der Festvortrag von Oberstleutnant i. G. Jürgen-Joachim von Sandrart, Abteilungsleiter G3 im Stab der 1. Panzerdivision, in Vertretung für seinen leider kurzfristig verhinderten Kommandeur, Herrn Generalmajor Markus Kneip. Mit teilweise sehr deutlichen Worten beschrieb Oberstleutnant v. Sandrart die aktuelle und zukünftige Einsatzbelastung der 1. PzDiv. Hierbei klaffe eine evidente Lücke zwischen politisch Gewolltem (Eingreifkräfte für friedenserzwingende Maßnahmen) und der Realität (permanentes Bereithalten von Stabilisierungskräften). Dies werde forciert durch die sich verbreiternde asymmetrische Kriegsführung, wie sie in Afghanistan beobachtet werden könne, durch die eine scharfe Trennung und Eingriff und Stabilisierung nicht mehr möglich sei. Er forderte ein gesellschaftliches Umdenken zurück zu den Tugenden der preußischen Militärreformer. Es dürfe in der Bundesrepublik Deutschland nicht weiter praktiziert werden, dass es bereits zu verunglimpfender Kritik im Prozess des Nachdenkens und vor jedwedem Ergebnis komme. Im Unterschied zu anderen Nato-Armeen habe man in Deutschland bewusst auf der allgemeinen Wehrpflicht bestanden und könne nun im internationalen Vergleich sehen, dass dies die richtige Entscheidung gewesen sei. Die Einsatzrealität und –quantität dürfe nicht zu einer Verdrängung des „Kerngeschäftes“, der originären militärischen Ausbildung für den jeweiligen Dienstposten, führen, wie dies bspw. im Vereinigten Königreich geschähe. Vielmehr müsse zumindest eine Grundlagenausbildung neben der Einsatzvorbereitung durchgeführt werden, damit ein entsprechender Ausbildungsstand bestehen bleibe, der dann auch zum Zwecke der Regeneration weitervermittelt werden könne. Bewertend bleibe insgesamt festzustellen, dass die Bundeswehr 2009 zum Großteil als Friedensarmee den vielseitigen politischen Anforderungen nur schwer gerecht werden könne.
Im Anschluss ließen die Teilnehmer der Feier den Abend bei Speis und Trank gemütlich ausklingen.

 

Alexander Bajumi


Vortrag „Terrorismusbekämpfung durch die Europäische Union“


 

„Viele der EU-Maßnahmen zur Terrorismusbekämpfung bewirken starke Eingriffe in das Leben praktisch jeden europäischen Bürgers.“ Mit dieser Aussage schloss Dr. Martin Kahl vom Zentrum für Europäische Sicherheitsstudien (ZEUS) der Universität Hamburg seinen Vortrag zum Thema „Terrorismusbekämpfung durch die Europäische Union“. Die Kameradschaft Studierender Reservisten hatte zu dieser sicherheitspolitischen Abendveranstaltung Mitglieder und Gäste in die Räumlichkeiten der Leibniz Universität Hannover eingeladen.

 

Zu Beginn versuchte Dr. Kahl eine Eingrenzung des Begriffes „Terrorismus“ sowie seiner Akteure und Strategien und ging auch auf die historische Entwicklung des internationalen Terrorismus ein. So sei die Anzahl der Anschläge bis 2003 rückläufig gewesen, um danach wieder anzusteigen.

 

Durch einen Vergleich der Nationalen Sicherheitsstrategie der Vereinigten Staaten mit der Europäischen Sicherheitsstrategie begann der Referent seine Betrachtungen der Europäischen Union. So sei im Gegensatz zum amerikanischen Streben nach Handlungsfreiheit und deren einhergehender militärischer Orientierung in Europa die Vernetzung nationaler und europäischer Sicherheitsbehörden sowie die Beziehungen zu Drittstaaten inkl. außenwirtschaftlicher Maßnahmen Schwerpunkt der Sicherheitsstrategie.

 

Nach der Erläuterung der vier Arbeitsfelder Prävention, Schutz, Verfolgung und Reaktion ging Dr. Kahl näher auf die Rolle der Europäischen Sicherheits- und Verteidigungspolitik (ESVP) ein. Neben der Kombination von zivilem und militärischen Krisenmanagement nehme hier wiederum die Unterstützung von Drittstaaten bei der Terrorismusbekämpfung eine entscheidende Rolle ein. Auch sei der Aufbau europäischer Polizei- und Krisenmanagementressourcen, sowie der Aufbau zivil-militärischer Kapazitäten zum Schutz der Bevölkerung nach Terroranschlägen Teil der ESVP.

 

Abschließend wurde noch auf Probleme der europäischen Sicherheitsarchitekturen eingegangen. So seien die Strukturen stark von den bestehenden nationalen Strukturen einschließlich des Willens der einzelnen Mitgliedsstaaten abhängig. Da sich bei ausgebliebenen Anschlägen keine generellen Aussagen über die Gründe des Ausbleibens treffen ließen, lasse nur herkömmliche Polizei- und Geheimdienstarbeit Aussagen über die Wirksamkeit spezifischer Maßnahmen und Instrumente zu.

 

An den Vortrag schloss sich eine rege geführte Diskussion mit den Teilnehmern der Veranstaltung an, in der Dr. Kahl noch einmal die Ausrichtung des europäischen Vorgehens gegen den Terrorismus am „Netzwerkterrorismus“, der in dieser Form nur noch selten zu finden sei, kritisierte.


Dezernent für Operative Information der DSO referiert vor der Kameradschaft Studierender Reservisten Hannover


Er wolle nicht gehen, bevor er seinen Auftrag erfüllt habe. Das sagte Oberstleutnant Volker Grönhagen, Dezernent für Operative Information (OpInfo) bei der Division Spezielle Operationen (DSO) in Regensburg, und blieb letztendlich für 15 Monate in Afghanistan. Sein Auftrag beinhaltete neben der Herausgabe der Zeitung „ISAF News“ und diversen Kampagnen gegen Gewalt und Kriminalität den Aufbau des inzwischen beliebtesten Radiosenders Kabuls "Sada-e Azadi" (Stimme der Freiheit).

Auf Einladung der „Kameradschaft Studierender Reservisten Hannover“, auch unter dem Namen „Arbeitskreis Sicherheitspolitik“ bekannt, referierte OTL Grönhagen zwei Stunden in der Universität Hannover vor Studenten und anderen Interessierten. Nach der Begrüßung durch den ersten Vorsitzenden Marco Langerwisch begann er seinen Multimedia-Vortrag mit Fotoaufnahmen des Landes, untermalt mit Musik, und erzählte dann über die Arbeit seines OpInfo-Zuges. Zusätzlich zeigte er das traditionelle Gewand der Frauen in Afghanistan, die Burka, sowie viele weitere Materialien.

Vor der Verbreitung von Flugblättern testeten die Soldaten seines Zuges zuerst die Reaktionen auf die Entwürfe, erst nach positiven Reaktionen ließ Grönhagen die Blätter drucken und verteilen. Auf die gleiche Art und Weise wurde der Radiosender "Sada-e Azadi" (Stimme der Freiheit) aufgestellt. Nach Befragung der Bevölkerung, welche Musik und welche Sprache sie gerne hören würden, entschied man sich schließlich für eine Mischung aus afghanischer und westlicher Musik, sowie für gleiche Anteile der beiden Landessprachen Dari und Paschtu. Und das mit Erfolg. Inzwischen ist der Sender der beliebteste Kabuls, und die Moderatoren bekommen täglich Unmengen an Fanpost, darunter Liebesbriefe afghanischer Mädchen.

Neben Herausgabe von Flugblättern und Zeitung sowie Aufbau des Radiosenders wurden diverse Kampagnen initiiert. So verteilten die Soldaten einfache Drachen in Schwarz-Rot-Grün, den Landesfarben Afghanistans, und tauschten zwei Schulhefte gegen eine Spielzeugwaffe. Dies führte soweit, dass die Kinder die echten Waffen ihrer Väter abgaben „die wir natürlich auch entgegen nahmen“, wie Grönhagen berichtete.

Den Vortrag beendete der Oberstleutnant schließlich noch mit den unschönen Bildern von Minenopfern und verwundeten Kameraden, die aber genauso zu seinen Einsatzerfahrungen zählten wie das vorher vorgetragene.

Nach einer anschließenden lebendigen Diskussion mit den anwesenden Zuhörern endete der Vortragsabend.



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